Die Praxislehrperson als Expert*in – Einblick in die Praxisbegleitung
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Reflexion als Ausgangspunkt professionellen Handelns
Wer Studierende im Praktikum begleitet, übernimmt eine anspruchsvolle Doppelrolle: Praxislehrpersonen unterstützen nicht nur beim Unterrichten, sondern fördern gezielt die professionelle Entwicklung der Studierenden. Dabei zeigt sich immer wieder: Wirksame Begleitung entsteht nicht zufällig, sie basiert auf reflektierten Entscheidungen, implizitem Wissen und bewusst gestalteten Lerngelegenheiten.
Gerade diese oft unsichtbaren Anteile professionellen Handelns stehen im Zentrum verschiedener Abschlussarbeiten von Praxislehrpersonen, die den CAS-Lehrgang «Berufspraxis kompetent begleiten» besucht haben. Die Arbeiten machen deutlich, dass gute Praxisbegleitung dort beginnt, wo Routinen hinterfragt und eigene Annahmen sichtbar gemacht werden.
Was Praxislehrpersonen konkret beschäftigt
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle führt zu sehr unterschiedlichen Fragestellungen und zu konkreten Instrumenten für die Praxis. Hier einige Beispiele von Abschlussarbeiten aus dem CAS «Berufspraxis kompetent begleiten»:
Rituale im Unterricht sichtbar machen
Unterricht ist geprägt von Routinen, die selten bewusst thematisiert werden. Eine der Arbeiten zeigt, wie diese Rituale für Studierende sichtbar und verständlich gemacht werden können. Die zentrale Frage dahinter: Wie viel Struktur braucht es – und wo beginnt professionelle Eigenständigkeit? Die entwickelte Checkliste dient dabei nicht nur als Orientierungshilfe, sondern auch als Ausgangspunkt für Gespräche über Unterricht.
Lernen an ausserschulischen Orten gestalten
Eine weitere Arbeit widmet sich ausserschulischen Lerngelegenheiten. Besonders relevant ist hier die Perspektivenvielfalt: Lehrpersonen, Studierende und Praxislehrpersonen nehmen dieselbe Situation unterschiedlich wahr und brauchen unterschiedliche Hilfsmittel für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Unterrichtssituationen am ausserschulischen Lernort. Gute Praxisbegleitung bedeutet auch, unterschiedliche Sichtweisen systematisch einzubeziehen und nutzbar zu machen.
Umgang mit Unsicherheiten im Unterricht
Im Fach Musik auf der Oberstufe zeigt sich exemplarisch, wie stark persönliche Hemmungen das Unterrichten prägen können. Die Arbeit macht deutlich, dass fachliche Kompetenz allein nicht ausreicht. Vielmehr stellt sich die Frage: Wie können Praxislehrpersonen einen Raum schaffen, in dem Unsicherheit thematisiert und produktiv genutzt werden kann? Die Haltung der Praxislehrperson wird hier zum entscheidenden Faktor, damit die Studierenden ihre Hemmungen im Umgang mit der eigenen Singstimme und in Bezug auf die Klassenführung im Musikunterricht abbauen können.
Coaching in herausfordernden Kontexten
Besonders sichtbar wird die Bedeutung gezielter Begleitung in anspruchsvollen Settings, wie dem bilingualen Unterricht. Studierende stehen hier vor zusätzlichen sprachlichen und didaktischen Herausforderungen. Die Erkenntnis daraus: Wirksames Coaching muss die spezifische Ausgangslage der Studierenden ernst nehmen und differenziert darauf reagieren. Die Praxislehrperson hat für sich ein eigenes Coachingmodell entwickelt und ein Coachinggespräch mittels Videoaufnahme analysiert.
Zwischen Anleitung und Eigenverantwortung
Die Beispiele verdeutlichen ein zentrales Spannungsfeld: Praxislehrpersonen bewegen sich ständig zwischen Anleitung und Loslassen. Sie strukturieren Lernprozesse, ohne sie zu stark zu steuern und geben Orientierung, ohne Eigenständigkeit zu verhindern.
Diese Balance ist nicht einfach gegeben, sie muss immer wieder neu austariert werden. Genau hier wird Reflexion zur Schlüsselkompetenz:
- Wann bringe ich mich ein und wann halte ich mich zurück?
- Welche Erfahrungen ermögliche ich und welche nehme ich vorweg?
- Wie gehe ich mit Unsicherheiten bei Studierenden und bei mir selbst um?
Praxisbegleitung als professionelles Lernen auf beiden Seiten
Die entstandenen Abschlussarbeiten machen deutlich, dass Praxisbegleitung keine Einbahnstrasse ist. Auch Praxislehrpersonen entwickeln ihre Professionalität weiter, indem sie ihre eigene Praxis hinterfragen und allenfalls neugestalten. Gerade darin liegt das Potenzial professioneller Praxisbegleitung. Dabei steht nicht die Umsetzung vorgegebener Konzepte im Vordergrund, sondern der fortlaufende Prozess des gemeinsamen Lernens, Hinterfragens und Weiterentwickelns.
Und was bedeutet das für die Profession als Praxislehrperson?
Wenn Praxisbegleitung mehr ist als Weitergabe von Erfahrung, dann verändert sich auch ihr Anspruch. Sie wird zur eigenständigen professionellen Tätigkeit mit eigenen Kompetenzen, eigenen Fragen und eigenen Unsicherheiten. Oder anders formuliert: Wer begleitet, lernt selbst.
CAS Berufspraxis kompetent begleiten - neuer Studienplan
Der CAS BKB ist ein Lehrgang, den die Grundausbildungsinstitute und das Institut für Weiterbildung und Dienstleistung in einer engen Zusammenarbeit durchführen.
Ab August 2026 startet der CAS nach einem neuen Studienplan in den Grundausbildungsinstituten, ab Mai 2027 folgen die weiterführenden Module am Institut für Weiterbildung und Dienstleistung.
Ein besonderer Fokus liegt neu auf dem kontinuierlichen Austausch in Lerngruppen. Die Verbindung von Theorie und Praxis wird regelmässig reflektiert und unterstützt die nachhaltige Verankerung der Lerninhalte sowie die Entwicklung eines klaren Rollenverständnisses als Praxislehrperson.
Ein Kommentar
Vielen Dank für diesen interessanten Text, liebe Alexandra! Bezieht ihr bei eurem Kurs auch das Medienzentrum am Helvetiaplatz ein? Ich wünsche euch viel Erfolg mit diesem wichtigen PH-Angebot. Herzliche Grüsse Patricia