Schule als Lebensraum: BNE und Gesundheit gemeinsam gestalten​

Eine 5. Klasse diskutiert gesunde Ernährung und landet schnell bei Klimaschutz, Lebensmittelverschwendung, fairen Produktionsbedingungen. Genauso wird auch Schule zum Lebensraum, in dem Gesundheit und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) praktisch zusammenkommen.

Gesundheit und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) lassen sich im schulischen Kontext kaum sinnvoll voneinander trennen. Beide zielen darauf ab, Lebensqualität zu sichern – heute und in Zukunft. In der Schule wird somit nicht nur Wissen vermittelt, sondern sie wird zu einem Übungsfeld, in dem Kinder und Jugendliche ausprobieren und lernen können, wie ein gutes, verantwortungsvolles und gesundes Leben überhaupt aussehen kann.

Gesundes Schulumfeld und Nachhaltigkeit: zwei Seiten derselben Medaille

Ein gesundes Schulumfeld ist dabei immer auch ein nachhaltiges. Wenn Schülerinnen und Schüler sich ernst genommen fühlen, mitgestalten können und in einem unterstützenden sozialen Klima lernen, stärkt das nicht nur ihr Wohlbefinden, sondern auch ihre Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Genau hier setzt BNE an: Sie fördert Kompetenzen, die Menschen befähigen, mit Unsicherheiten umzugehen, Zusammenhänge zu erkennen, Aushandlungsprozesse zu führen und Entscheidungen zu treffen, die langfristig tragfähig sind – für sich selbst und für andere.

Ernährung, Bewegung, Mobilität: Wo Gesundheit und BNE im Alltag zusammenwachsen

Diese Verbindung wird besonders sichtbar im Alltag. Wer etwa über Ernährung spricht, bewegt sich automatisch im Spannungsfeld von Gesundheit, Umwelt und globaler Gerechtigkeit. Die Frage „Was tut mir gut?” lässt sich kaum losgelöst von der Frage beantworten „Was ist langfristig verträglich – für andere und für den Planeten?”. Ähnlich verhält es sich mit Bewegung: Der Schulweg zu Fuss oder mit dem Fahrrad ist nicht nur gesundheitsförderlich, sondern auch ein Beitrag zu einer nachhaltigeren Mobilität.

Solche Beispiele zeigen: Gesundheitsförderung gewinnt an Tiefe, wenn sie in grössere Zusammenhänge eingebettet wird. Gleichzeitig wird nachhaltige Entwicklung greifbarer, wenn sie an den eigenen Körper, das eigene Wohlbefinden und den unmittelbaren Alltag anknüpft. Schülerinnen und Schüler erfahren dadurch, dass ihr Handeln Wirkung hat – und dass diese Wirkung mehrere Ebenen gleichzeitig betrifft.

Gesundheit und BNE als durchgängige Perspektive im Schulalltag

Für Schulen bedeutet das, Gesundheit und Nachhaltigkeit nicht als zusätzliche Themen „on top” zu behandeln, sondern als Perspektiven, die den gesamten Schulalltag durchziehen. Das betrifft den Unterricht ebenso wie die Gestaltung von Pausen, die Schulverpflegung, den Umgang miteinander oder die Einbindung der Lernenden in Entscheidungsprozesse. Wenn Schülerinnen und Schüler ihre Schule mitgestalten – sei es bei der Pausenraumgestaltung, bei Umweltprojekten oder bei Fragen des Zusammenlebens –, erleben sie Selbstwirksamkeit. Diese Erfahrung ist sowohl für die psychische Gesundheit zentral als auch für die Entwicklung eines nachhaltigen Denkens und Handelns.

Entlastung statt Zusatzaufwand: Was Lehrpersonen von einem integrierten Ansatz gewinnen

Auch Lehrpersonen profitieren von einem solchen Ansatz. Ein Schulklima, das auf Kooperation, Wertschätzung und gemeinsame Verantwortung setzt, entlastet und stärkt gleichzeitig. Gesundheitsförderung wird so nicht zur individuellen Aufgabe, sondern zu einer gemeinsamen Haltung, die das ganze System trägt.

Letztlich geht es darum, Schule als Lebensraum zu verstehen, in dem Gesundheit und nachhaltige Entwicklung untrennbar miteinander verbunden sind. Diese Verbindung von Gesundheitsförderung und nachhaltiger Entwicklung stellt viele Schulen vor ähnliche Fragen: Wie lassen sich bestehende Initiativen sinnvoll verknüpfen? Wo entstehen Synergien im Alltag? Und wie kann eine Schule als Ganzes von einem integrierten Ansatz profitieren?

Gemeinsam weiterdenken und vernetzen

Genau hier setzt das kommende Netzwerktreffen vom 17. Juni 2026 an. Es bietet Raum, um Erfahrungen auszutauschen, Praxisbeispiele kennenzulernen und gemeinsam weiterzudenken, wie Gesundheit und BNE im Schulalltag zusammenwirken können. Im Zentrum steht nicht die Theorie, sondern die Frage, wie diese Verbindung konkret gelebt und weiterentwickelt werden kann.

Das Treffen richtet sich an alle, die Schule aktiv mitgestalten – Lehrpersonen, Schulleitungen und weitere Fachpersonen. Es versteht sich als Einladung, bestehende Ansätze zu reflektieren, neue Impulse aufzunehmen und sich mit anderen Engagierten zu vernetzen.

BNE als Weiterbildungsthema

Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Hilfe von KI generiert.

Der Beitrag gibt die Sicht der Autorin bzw. des Autors wieder.
Silvana Werren ist Dozentin am Institut für Weiterbildung und Dienstleistungen an der Pädagogischen Hochschule PHBern.

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