Planspiele im Unterricht: BNE spielerisch umsetzen
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Die Herausforderungen unserer Zeit sind vielschichtig und global: Klimawandel, soziale Ungleichheit, Ressourcenknappheit – diese Themen betreffen uns alle. Besonders Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene machen sich zunehmend Sorgen um ihre Zukunft, empfinden Unsicherheit und sind teilweise von tiefgreifenden Ängsten geprägt (Hickmann et al., 2021).
Damit die Schüler:innen kritisch-hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und sich den kommenden Herausforderungen stellen können, brauchen sie ein sicheres Lernfeld, in dem sie die notwendigen Kompetenzen entwickeln können. Doch wie gestalten wir ein sicheres Lernfeld und wie greifen wir im Schulalltag solch komplexe und emotionale Themen auf? Eine mögliche Antwort auf diese Frage sind Planspiele.
Was sind Planspiele?
Ein Planspiel ist eine didaktische Methode, die Lernende spielerisch in eine fiktive oder realitätsnahe Situation eintauchen lässt. Es bietet einen geschützten Raum, in dem Entscheidungen ohne reale Konsequenzen erprobt und reflektiert werden können (Kirz, 2009; Ulrich, 2006). Durch das Übernehmen verschiedener Rollen werden die Lernenden an eine oder mehrere Herausforderungen herangeführt. Damit können komplexe Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und deren Zusammenhänge unmittelbar erlebbar gemacht werden (Meya, 2018; Ulrich, 2006).
Praxisbeispiel: Das Planspiel "Unk City"
Im Planspiel „Unk City“ erbauen Schüler:innen der 5. und 6. Schulstufe eine Stadt, die aus sieben Quartieren besteht. Jedes Quartier übernimmt dabei eine besondere Rolle in der Stadt – sei es als Wohngebiet, Zentrum für Arbeit oder als Versorgungsstandort. Ziel des Spiels ist es, allen Bewohner:innen ein „gutes Leben“ zu ermöglichen, indem Wohlstand in den Bereichen Wohnen, Ernährung und Arbeit geschaffen wird. Während sich die Gruppen zunächst auf spielerische Weise auf den wirtschaftlichen und sozialen Ausbau ihrer Quartiere konzentrieren, wird im Verlauf des Spiels eine weitere Herausforderung deutlich: Je mehr die Stadt wächst, desto stärker steigt auch die Umweltbelastung.
Während des Planspiels „Unk City“ versetzen sich die Lernenden in die Identitäten ihrer Quartiere, entwickeln Visionen und treffen Entscheidungen – Entscheidungen, die sie im Verlaufe des Spiels immer wieder neu aushandeln müssen. Ähnlich verhält es sich in den Stadtversammlungen, in denen sich die Quartiere mit ihren teils unterschiedlichen Interessen begegnen. Hier werden Vorstellungen diskutiert und die Lebensbedingungen und Ziele für die Zukunft der Stadt gemeinsam ausgehandelt.
Fazit
Bildung für Nachhaltige Entwicklung verfolgt das Ziel, Lernende zu befähigen, aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft mitzuwirken. Dabei sollen Lernende angeregt werden, komplexe Zusammenhänge zu erkennen, ihr eigenes Handeln zu reflektieren, sodass sie bewusste Entscheidungen treffen und aktiv an gesellschaftlichen Gestaltungs- und Aushandlungsprozessen teilnehmen können (D-EDK, 2016).
Ein Planspiel wie „Unk City“ bietet genau hier einen Ansatzpunkt: Es ermöglicht Nachhaltigkeitsthemen nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern praktisch und emotional erfahrbar zu machen. Dies fördert nicht nur das Verständnis der Lernenden, sondern auch deren Motivation und Handlungsbereitschaft (Kapp, 2012).
Angebote zum Thema
Die PHBern bietet zahlreiche Weiterbildungsangebote zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung an.
Darüber hinaus gibt es spezifische Angebote zum Thema Planspiele im Unterricht.
Weiterführende Informationen
Das Planspiel „Unk City“ wurde im Rahmen des SNF-Forschungsprojektes „Unterricht zu Nachhaltigkeit: komplex, kontrovers, emotional“ entwickelt. Für die Erhebung im Herbst bis Winter 2025 werden noch Lehrpersonen mit ihren Klassen gesucht. Teilnehmende erhalten das Planspiel mit allen dazugehörigen Unterrichtsmaterialien. Weitere Informationen zum Projekt finden sich hier. Bei Fragen gibt die Autorin dieses Beitrags (Maria Budmiger) gerne Auskunft.
Literatur:
- Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) (2016). Lehrplan 21. Gesamtausgabe. https://v-fe.lehrplan.ch/container/V_FE_DE_Gesamtausgabe.pdf
- Hickman, C., Marks, E., Pihkala, P., Clayton, S., Lewandowski, R. E., Mayall, E. E., Wray, B., Mellor, C. & Van Susteren, L. (2021). Climate anxiety in children and young people and their beliefs about government responses to climate change: A global survey. The Lancet Planetary Health, 5:12, e863–e873. https://doi.org/10.1016/S2542-5196(21)00278-3.
- Kapp, K. M. (2012). The Gamification of Learning and Instruction: Game-based Methods and Strategies for Training and Education. Pfeiffer.
- Kriz, W. (2009). Planspiele. In S. Kühl, P. Strodtholz & A. Taffertshofer (Hrsg.), Handbuch Methoden der Organisationforschung (S. 558 – 579), VS Verlag für Sozialwissenschaften.
- Meya, J. N. (2018). Die internationale Klimapolitik auf dem Spielbrett. In C. Hühn, B. Zürn, S. Schwägele, S. Hofmann & F. Trautwein (Hrsg.), Planspiele – Analyse und Wirkungen. Rückblick auf den Deutschen Planspielpreis 2015 und 2017 (S. 133 – 147). Books on Demand GmbH.
- Ulrich, M. (2006). Komplexität anpacken: Mit Planspielen erfolgreiches Handeln erlernen. In Tagungsband zur 7. Werner-Kollath-Tagung, Komplexität erkennen – Zukunft gestalten. Ernährungsökologie als integrativer Ansatz für Wissenschaft und Praxis.
Dieser Blogbeitrag entstand in Zusammenarbeit mit Rebecca Theiler.
Maria Budmiger und Rebecca Theiler sind Mitautorinnen des Planspiels „Unk City“ und Doktorandinnen am SNF-Projekt „Unterricht zu Nachhaltigkeit: komplex, kontrovers, emotional“.
4 Antworten
Liebe Maria
Vielen Dank für diesen spannenden Beitrag. Wäre es auch möglich, dieses Spiel an einer G1-Klasse im Gymnasium (Quarta) zu testen? Ich unterrichte am Gymnasium und könnte mir vorstellen, dass sie daran auch Freude hätten – oder ist es zu simpel für diese Stufe?
Liebe Silvana
Herzlichen Dank für deinen Kommentar! Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sich das Planspiel auch für eine G1-Klasse eignet. Immerhin spielen wir das Spiel an Weiterbildungen mit Erwachsenen, die sich ebenfalls vom Spielfieber packen lassen. Bisher haben wir es aber mit Gymnasiast:innen nicht erprobt, fänden es aber toll, wenn du es testen würdest. Schreibst du mir eine Mail (maria.budmiger@phbern.ch), sodass ich deine Kontaktangaben habe und wir uns austauschen können?
Liebe Grüsse
Maria
Liebe Maria
Vielen Dank für deinen spannenden Beitrag. Beim Lesen habe ich mir überlegt, ob es zum Spiel/zu den Spielen physische Materialien gibt , welche die PHBern Mediothek Helvetiaplatz erwerben und für unsere Kundschaft ausleihbar machen könnte. Vielleicht wäre die Materialien auch für eure Kurse hilfreich. Was meinst du zu meiner Idee? Ich freue mich auf deine Antwort.
Herzliche Grüsse
Patricia
Liebe Patricia
Herzlichen Dank für deinen Kommentar, dein Interesse am Planspiel und deine Idee! Tatsächlich gibt es physische Materialien dazu. Nach Abschluss unserer Datenerhebung wäre es toll, wenn das Planspiel in der Mediothek Helvetiaplatz zur Ausleihe allen Lehrpersonen zur Verfügung stehen könnte.
Herzliche Grüsse
Maria